Forschern der Medizinischen Universität Wrocław und der Universität Wrocław ist es gelungen, Theriak — ein Medikament, das seit der Antike bekannt war und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verwendet wurde — zu rekonstruieren. Jahrhundertelang waren die Menschen bereit, ein Vermögen für dieses Arzneimittel zu bezahlen. Es sollte ein Gegenmittel gegen Vergiftungen sein und vor der Pest schützen. Die Ergebnisse der Forscher aus Wrocław zeigen, dass es höchstwahrscheinlich nicht die ihm zugeschriebene medizinische Wirkung hatte.
Forscher der Universität Wrocław schließen ein Projekt ab, in dem sie sich zum Ziel gesetzt haben, Arzneimittel, die im 16. bis 18. Jahrhundert im damaligen Polen-Litauen verwendet wurden, zu rekonstruieren und ihre therapeutische Wirkung zu testen.
Die Rekonstruktion von Theriak, das 71 verschiedene Substanzen enthielt, war eine große Herausforderung für die Pharmazeuten aus Wrocław. Es hat sich gelohnt, nicht zuletzt wegen des guten Rufs, den das Medikament über viele Jahrhunderte hinweg genoss. Es war ein echter therapeutischer Hit mehrerer Epochen in Europa — von der Antike bis ins 18. Jahrhundert. Es wurde in erster Linie als Gegenmittel bei Vergiftungen verschrieben, aber bei Epidemien erlangte es eine besondere Bedeutung — man glaubte, es würde vor Krankheit und Tod schützen.
Die Herstellung erfolgte nur durch zugelassene Apotheker. Das höchste Ansehen genoss der venezianische Theriak, dessen Rezeptur als vorbildlich galt. Dank dem Lizenzsystem verbreitete sich die Herstellung dieses Arzneimittels auch in Polen.
Die Rekonstruktion des Theriak basierte auf einem Rezept eines Apothekers aus Toruń aus dem Jahr 1630, dessen praktische Anwendung historisch belegt ist. Ein Rezept aus der Zeit vor Linnaeus, als es noch keine einheitliche Nomenklatur in der Pharmazie gab, war ein ziemliches Rätsel. Apotheker benutzten oft eigene Abkürzungen, und ein und dieselbe Substanz konnte je nach Region oder sogar nach Autor unterschiedliche Namen tragen.
Den Forschern ist es gelungen, die Notizen des Apothekers aus Toruń zu entziffern, die meisten Originalzutaten zu beschaffen, die fehlenden durch zeitgenössische Ersatzstoffe zu ergänzen und den Theriak zu rekonstruieren. Jetzt müssen sie sich nur noch experimentell von der theoretisch vorhergesagten Unwirksamkeit des Mittels überzeugen.
Arkadiusz Słomczyński